Diverse Gene und ohne Krankheiten

Wie der „perfekte“ Koala das Aussterben seiner Art verhindern soll

Der Koala „Jagger“ ist der erste, der im Rahmen eines Pilotprogramms gezüchtet wurde, um die Koalakolonien an der Ostküste Australiens vor dem Aussterben zu retten.

Brisbane. Schon rein äußerlich scheint „Jagger“ perfekt zu sein: Sein seidiges Fell, die wuscheligen Ohren, die markante Nase – „Jagger“ ist das Modell eines männlichen Koalas. Doch auch im Inneren setzt sich der Beutler vom Rest seiner Spezies ab: Er ist nämlich der erste Koala, der im Rahmen eines Pilotprogramms namens Living Koala Genome Bank gezüchtet wurde. „Jagger“ hat „diverse Gene“ und trägt keinerlei Krankheiten in sich. Gegen die gefürchtete Chlamydieninfektion, die Koalas unfruchtbar macht und sie sogar töten kann, ist „Jagger“ mit einer ebenfalls neu entwickelten Impfung geschützt.

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Dieser „perfekte Koala“ soll nun das Schicksal der gefährdeten Koalakolonien entlang der Ostküste Australiens wenden. Mit „Jaggers“ Hilfe – oder genauer gesagt mit seinen hochwertigen Spermien – sollen gesunde Koala-Gene in den lokalen Populationen gefördert werden. Deswegen wurde „Jagger“ nun in einer Kolonie im Elanora Conservation Park an der Gold Coast im Osten Australiens ausgesetzt.

Der Koala „Jagger“ wird im Elanora Conservation Park ausgesetzt.

Der Koala „Jagger“ wird im Elanora Conservation Park ausgesetzt.

Geschätzte 60.000 Buschfeueropfer

Koalas leiden seit Jahren: Neben Hundeangriffen und Verkehrsunfällen, gefährden der Klimawandel und die bakterielle Chlamydiainfektion die Beutler auf dem fünften Kontinent. Vor allem im Südosten von Queensland und in New South Wales sind teils über 50 Prozent der Koalapopulation an Chlamydien erkrankt. Auch die schrecklichen Buschfeuer 2019/20 haben den Tieren nochmals schwer zugesetzt. Rund 60.000 sollen in den Flammen umgekommen oder an den Folgen der Feuer gestorben sein.

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Doch die Katastrophe war nicht der Auslöser dafür, dass die Tiere immer seltener werden. „Leider waren die Koalapopulationen, insbesondere in New South Wales, bereits lange vor den Buschbränden des Schwarzen Sommers 2019/2020 in Schwierigkeiten“, sagte die Präsidentin der Tierschutzorganisation „Friends of the Koala“, Aliison Kelly. Vor allem die Rodung großer Waldflächen hat die Beutler so reduziert, dass die australische Regierung im Februar eingestehen musste, dass die Tiere aussterben könnten. In den Koalaregionen im Osten des Landes wurden die Tiere deswegen als „gefährdet“ eingestuft.

„Tropfen auf den heißen Stein“

Dass sich solch eine Hiobsbotschaft anbahnt, zeichnet sich bereits seit Längerem ab. Schon im vergangenen September hatte eine Meldung der Australischen Koalastiftung (AKF) schockiert. Diese meldete, dass die Koalazahlen seit 2018 in ganz Australien um 30 Prozent zurückgegangen seien. Inzwischen leben laut der Organisation möglicherweise weniger als 60.000 Koalas in Australien – zwischen 32.000 und 58.000, so glaubt die AKF. „Wir haben einen drastischen Rückgang im Inland aufgrund von Dürre, Hitzewellen und Wassermangel für Koalas beobachtet“, sagte die Leiterin der Stiftung, Deborah Tabart, damals. „Ich habe einige Landschaften gesehen, die wie der Mond aussehen – mit toten und sterbenden Bäumen.“

Zwar hatte die australische Regierung erst im Januar noch weitere 50 Millionen Australische Dollar – umgerechnet fast 34 Millionen Euro – für den Schutz der Tiere bereitgestellt. Umweltgruppen bezeichneten dies damals jedoch als „Tropfen auf den heißen Stein“, wenn nicht die eigentlichen Ursachen des Rückgangs angegangen werden. Dazu gehört, die Rodungen zu stoppen und mehr Waldkorridore einzuführen, da Habitate inzwischen zu fragmentiert sind.

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Koalas mit „hohem genetischen Wert“

Tiere wie „Jagger“ werden die Krise der Koalas sicherlich nicht alleine lösen, doch sie sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Tiere widerstandsfähiger gegen Krankheiten und den Klimawandel zu machen. „Jagger ist vollständig gegen Chlamydien geimpft, frei von Krankheiten und wird – dank seiner vielfältigen Genetik – dazu beitragen, Koalas in dieser Population vor den Risiken der Inzucht zu schützen“, sagte Stephen Johnston, ein Koalaexperte der University of Queensland, der an dem Projekt beteiligt ist.

„Jagger“ ist natürlich kein Einzelfall: In der sogenannten Living Koala Genome Bank gibt es noch weitere „perfekte“ Koalas mit „hohem genetischen Wert“. Besonders positiv an dem neuen Projekt sei, dass auch Zoos mit eingebunden werden könnten, wie Johnston sagte. Auch in ihren Gehegen könnten künftig Koalas mit diverser Genetik gezüchtet werden, um sie später in die Wildnis zu entlassen.

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