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„Einzigartiges Ereignis in der Hundeevolution“

Australische Studie zeigt: Dingos sind doch keine Hunde

Dingos sind typisch australische Tiere und ein Symbol des wilden Outbacks.

Dingos sind typisch australische Tiere und ein Symbol des wilden Outbacks. Sie kommen in allen ländlichen Gegenden auf dem australischen Festland vor – die Insel Tasmanien ist der einzige australische Staat ohne Dingopopulation.

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Moderne Hunde stammen vom grauen Wolf ab

Bisher konnten Forschende dem Dingo jedoch keinen genauen Platz im evolutionären Stammbaum der Hunde zuteilen. Doch dank moderner DNA-Sequenzierung ließ sich jetzt herausfinden, wo die Tiere auf ihrer evolutionären Reise von grauen Wölfen abgezweigt sind. Dabei entdeckte das Forschungsteam, dass Dingos sich grundlegend von Haushunden unterscheiden. Vielmehr können die Dingos zwischen dem grauen Wolf und den domestizierten Hunden von heute angesiedelt werden. Die Studienergebnisse haben die Forschenden im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht.

Zum Vergleich: Moderne Hunde haben sich aus dem grauen Wolf entwickelt. Sie wurden erstmals in der Jungsteinzeit vor 29.000 bis 14.000 Jahren domestiziert und sind seitdem eng mit dem Menschen verbunden. Die meisten der mehr als 340 modernen Hunderassen sind wohl erst in den letzten 200 Jahren entstanden, wie zwei an der Studie beteiligte Forscher, Matt Field von der James-Cook-Universität in Townsville und William Ballard von der La-Trobe-Universität in Melbourne, in einem Beitrag für das akademische Magazin „The Conversation“ erklärten.

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„Einzigartiges Ereignis in der Hundeevolution“

Dingos stellen dagegen ein „einzigartiges Ereignis in der Hundeevolution“ dar, wie die Forschenden schrieben. Da sie vor 5000 bis 8000 Jahren nach Australien kamen (eine Studie siedelt das Datum bei 3500 Jahren an), seien sie geografisch von Wölfen und Haushunden isoliert gewesen. Das mache die Dingos einzigartig, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es ist nicht ganz klar, woher die Tiere ursprünglich stammen. Die wahrscheinlichste Version ist aber, dass sie von Händlern aus Asien eingeschleppt wurden. Der Dingo ist eines der Tiere, die am häufigsten Erwähnung in der Mythologie der Aborigines finden. Sie sind eng mit der indigenen Schöpfungsgeschichte und der Spiritualität der australischen Ureinwohnerinnen und Ureinwohner verbunden.

Obwohl der Dingo leicht mit einem Haushund verwechselt werden kann und viele sich inzwischen auch mit normalen Hunden gepaart haben und Mischlingstiere sind, unterscheiden sie sich in einem Merkmal gravierend von den domestizierten Hunden. Sie kommunizieren weniger über Bellen, sondern über verschiedene Heultöne. Lange Zeit fürchtete man, dass die reinen Dingos immer mehr zur Seltenheit werden und es sich bei vielen Exemplaren nur noch um ausgewilderte Hunde handele. Doch eine Studie der University of New South Wales in Sydney konnte diese Befürchtungen entkräften.

Interessantestes Genom der Welt

Die schlanken und ranken Tiere, die gerne in Rudeln leben, sind ein wenig kleiner als ein deutscher Schäferhund. Damit sind sie die größten fleischfressenden Säugetiere des fünften Kontinents. In der aktuellen Studie ging es nun darum, anhand der Genetik zu verstehen, wo genau der Dingo in der Evolution der Hunde anzusiedeln ist und welche Rolle er im australischen Ökosystem spielt. Als ein Unterschied zwischen dem Dingogenom und dem von Haushunden kristallisierte sich beispielsweise die Anzahl der Kopien des Amylase-Gens heraus. Amylase ist ein Enzym, das bei der Verdauung von stärkehaltiger Nahrung hilft. Dingos haben wie Wölfe nur eine Kopie des Amylase-Gens, während Hunde mehrere besitzen (in manchen Fällen sogar über zehn).

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Ihre Arbeit starteten die Forschenden einst 2017. Damals gewann der Dingo den Wettbewerb „World’s Most Interesting Genome“, der vom US-Biotech-Unternehmen Pacific Biosciences veranstaltet wurde. „Dies brachte uns dazu, darüber nachzudenken, ein hochwertiges Dingogenom zu generieren“, meinten die australischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Um den Platz des Dingos in der Hundegeschichte verstehen zu können, benötigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch mehrere hochwertige Hundegenome. Deswegen generierten sie ein Genom des Deutschen Schäferhundes als repräsentative Rasse, gefolgt vom Basenji, der frühesten Hunderasse, die im Kongo in Afrika für die Jagd verwendet wurde. Schließlich gelang es ihnen auch noch, das Genom eines reinen Wüstendingowelpens zu sequenzieren. Dafür arbeiteten sie mit Sandy, einem Dingo, der einst als drei Wochen alter Welpe verlassen im Outback gefunden wurde.

Zwischen Wolf und Hund

Die neuen Hundegenome halfen dann gemeinsam mit den bestehenden Genomen des Grönlandwolfs und anderer repräsentativer Arten – wie der Deutschen Dogge, des Boxers und des Labradors –, die Anzahl der genetischen Unterschiede zwischen diesen Rassen und dem Dingo zu messen. Damit konnten die Forschenden den Dingo dann letztendlich in die Zeitleiste der Evolution einordnen. Dabei kam heraus, dass Dingos frühe Ableger der modernen Hunderassen sind und zwischen dem Wolf und den heutigen domestizierten Hunden anzusiedeln sind. Insgesamt würde die Analyse zeigen, wie demografische sowie Umweltbedingungen das Dingogenom geformt haben, meinten die Forschenden. Gleichzeitig könne man aber nicht mit Sicherheit sagen, ob der Dingo jemals domestiziert wurde. „Aber wir wissen, dass es unwahrscheinlich ist, dass er nach seiner Ankunft in Australien domestiziert wurde“, sagten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Stattdessen spielen die Dingos als größte Raubtiere im australischen Busch eine wichtige Rolle für den Erhalt der Biodiversität und für die Gesundheit des dortigen Ökosystems. So halten sie die Anzahl der Pflanzenfresser und der kleineren Raubtiere in Schach. Forschungen haben beispielsweise gezeigt, dass die Unterdrückung von Dingopopulationen zu einem Wachstum der Känguruzahlen führen kann, was wiederum Auswirkungen auf den Rest des Ökosystems hat. Denn hohe Känguruzahlen können beispielsweise zu Überweidung und damit zu Erosion führen. Doch trotz der wichtigen Rolle, die Dingos für das Ökosystem spielen, sind sie nicht in allen australischen Bundesstaaten geschützt – im Gegensatz zu vielen anderen einheimischen Arten.

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