Manche Insekten besser meiden

Abwehrspray und ätherische Öle: Was hilft wirklich gegen Insektenstiche?

Wer sticht denn da? Mücken, Bienen und Zecken verursachen mit ihren Stichen unterschiedliche Beschwerden.

Wer sticht denn da? Mücken, Bienen und Zecken verursachen mit ihren Stichen unterschiedliche Beschwerden.

Es surrt und summt, doch nicht immer ist das ein schöner Nebeneffekt sommerlicher Temperaturen: Insekten können nerven und ordentlich zustechen. Nicht immer gibt es wirksame Mittel dagegen – manchmal schon.

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Schreckmittel gegen Mücken

„Mücken sind Nutztiere, frag die Frösche“, sagte einst der Kinderbuchautor Manfred Hinrich. Doch an lauen Sommerabenden können die kleinen Tierchen die Vorfreude auf die warme Jahreszeit trüben. Nicht nur, dass die juckenden Stiche lästig sind. Mücken können mitunter Überträger gefährlicher Krankheitserreger sein – auch in Deutschland. „Wir hatten in den letzten Jahren oder Jahrzehnten keine Übertragungen mehr von gefährlichen Krankheitserregern durch Stechmücken“, erklärt Helge Kampen, Leiter des Labors für medizinische Entomologie am Friedrich-Löffler-Institut.

Seit 2018 kursiert einzig das West-Nil-Virus in Deutschland – ein durch Stechmücken übertragener Krankheitserreger, der in den meisten Fällen eine harmlose Infektion verursacht, wie Kampen erklärt. Der Klimawandel könnte das Risiko jedoch erhöhen. „Die Klimaerwärmung hat zur Folge, dass sich Stechmücken schneller entwickeln und es mehr Generationen pro Jahr gibt. Die Blutverdauung wird beschleunigt – so legen die Weibchen auch schneller und öfter Eier, und die Populationsdichte wird dadurch im Verlaufe des Jahres größer“, so Kampen. Zudem seien Mücken mit steigenden Temperaturen auch früher und länger im Jahr aktiv und einigen neuen Arten ist es dadurch möglich, sich auch in Deutschland anzusiedeln, wie zum Beispiel die Asiatische Tigermücke.

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Wie hält man sich Mücken also vom Leib? „Mücken werden je nach Lebensstadium von unterschiedlichen Stoffen angezogen“, erklärt der Biologe und Wirkstoffforscher Andreas Rose vom Unternehmen Biogents. Grundsätzlich sind das Stoffe wie Kohlendioxid oder Hautdüfte wie Milchsäure. Wollen sie ihre Eier ablegen, werden sie wiederum von Wasser angezogen. Sogenannte Schreckmittel wirken gegen Mücken recht gut. Ein wirksames Abwehrmittel ist laut Rose Diethyltoluamid – kurz DEET. Dieses steckt in zahlreichen Mückensprays für den Körper. Es gibt allerdings auch spezielle Schutzbekleidung, deren Fasern mit wirksamen Insektiziden behandelt wurden, wie zum Beispiel Pyrethroiden, so Rose.

DEET-Produkte bei Zecken

In der warmen Jahreszeit sind ebenfalls Zecken besonders aktiv. Auch sie können Träger von für Menschen potenziell gefährlichen Krankheitserregern sein – darunter die Borreliose. Laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) werden in Deutschland nach einem Zeckenbiss bei bis zu 5,6 Prozent der Betroffenen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen. Der Erreger kommt bundesweit vor und kann unter anderem das Nervensystem, die Gelenke und das Herz befallen. Anders als von vielen vermutet, springen Zecken den Menschen nicht an oder fallen von Bäumen. Die kleinen Blutsauger sitzen zumindest hierzulande fast ausschließlich im Gras. Läuft ein Lebewesen vorbei, spüren sie dies und entern ihren Wirt durch das Ausstrecken ihrer Beine, wie Biologe Andreas Rose erklärt. Über die Beine wandern die Tierchen dann am Körper hinauf und suchen sich eine besonders weiche und geschützte Stelle, wo sie sich dann in die Hautoberfläche einbeißen.

Nicht nur gegen Stechmücken, auch gegen Zecken wirken Produkte mit DEET daher gut. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte Rose zufolge allerdings nicht nur die Haut, sondern auch den Stoff der Kleidung mit entsprechenden Präparaten behandeln. Vorsicht sei geboten bei der Verwendung von DEET-Produkten bei Kleinkindern. Inzwischen wurden allerdings auch Substanzen entwickelt, die besser hautverträglich sind und auch bei Kindern verwendet werden können, wie zum Beispiel IR3535 oder auch Picaridin. Auch naturbasierte Mittel gibt es auf dem Markt zur Genüge, die meisten davon sind allerdings wenig wirksam, wie zum Beispiel ätherische Öle. „Unter den in der Natur vorkommenden Substanzen gibt es eigentlich nur eine Substanz, die wirklich gut funktioniert“, so Rose. PND stammt ursprünglich aus den Blättern des Zitroneneukalyptusbaumes und stellt ebenfalls ein effektives Mittel gegen Zecken dar.

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Bienen und Wespen meiden

Wer im Sommer auf der Terrasse den Abend mit Grillen ausklingen lassen oder den Nachmittagskaffee mit einem zuckrigen Stück Kuchen genießen möchte, lockt sie unweigerlich an: Bienen und Wespen sind im Sommer immer wieder ungebetene Gäste am Tisch und lösen nicht nur bei Allergikerinnen und Allergikern mitunter heftige Reaktionen aus. Besonders angezogen fühlen sich die Insekten von gegorenen Getränken wie Bier oder Süßspeisen wie Obst, Säfte oder Marmelade, wie der Biologe Volker Mauss vom Zentrum für Wespenkunde erklärt. Er empfiehlt daher, Essen und Trinken im Freien immer abzudecken.

Doch wie kann man sich vor Stichen schützen? So banal es klingt – am besten hält man sich nicht an Stellen auf, wo Bienen und Wespen sind. „Wenn eine Biene oder Wespe sticht, ist das eigentlich immer eine Unfallsituation“, betont Volker Mauss. „Das heißt, die Tiere kommen nicht angeflogen, um einen aktiv zu stechen, sondern machen das in einer Situation, in der sie sich angegriffen fühlen oder eingezwängt werden.“ Wirksame Abwehrmittel sind Mauss zufolge bisher kaum bekannt. Es gebe zwar einige Untersuchungen zu Badeölen mit Teeranteil, die wirksam sein könnten. „Aber das ist eigentlich nichts, was man sinnvoll empfehlen kann.“

Mit wie vielen Tieren man rechnen muss, hängt von mehreren Faktoren ab. „Es gibt gute und schlechte Wespenjahre. Meistens wechseln diese ziemlich nahe aufeinander“, erklärt Mauss. Wenn man ein sehr schlechtes Jahr hat, dann folgt darauf ein aus Sicht der Wespen sehr gutes Jahr mit sehr vielen Tieren. Im Zuge des Klimawandels ist Mauss zufolge zwar nicht mit gefährlicheren Arten zu rechnen, doch das schwül-heiße Wetter macht die Tiere aggressiver – und von solch warmen Tagen könnte es in Zukunft mehr geben. „Bei einer solchen Witterung zeigen die Bienen und Wespen ein deutlicheres Abwehrverhalten mit niedrigerer Auslöseschwelle.“ Töten sollte man die Tiere trotzdem keineswegs, betont auch Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Insekten sind die Grundlage unseres Ökosystems, sie sind Futter für Vögel, Fledermäuse und Fische und viele Insekten bestäuben unsere Nahrungspflanze.“

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