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Youtuber „DorFuchs“ gibt Tipps

20 Prozent auf 39,99 Euro? Darum fällt Mathe im Alltag vielen schwer – und das kann man dagegen tun

Der Alltag ist voller Mathematik.

Es gibt wohl kaum ein Schulfach, das so leidenschaftlich gern als „Hassfach“ deklariert wird wie Mathematik. Denn Arithmetik, Analysis und Geometrie fallen einem entweder leicht oder eben nicht – so zumindest eine gängige Überzeugung. Ist der Abschluss in der Tasche, freuen sich viele darüber, nie wieder über Matheaufgaben brüten zu müssen. Doch die Formel geht nicht auf. Denn der Alltag steckt voller Mathematik.

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In einer Studie der Stiftung Rechnen gaben 63 Prozent der Deutschen an, im Alltag bereits Situationen erlebt zu haben, bei denen sie mit ihren Rechenkompetenzen an Grenzen gestoßen sind. In einer früheren Studie hielten die Forschenden außerdem fest: Das im Mathematikunterricht Gelernte könnten viele im alltäglichen Leben weder anwenden noch nutzen. Grafiken und Verbraucherinformationen würden nicht verstanden, und zu viel Text führe zu Verwirrung oder Verweigerung.

Fehlende Übung und Versagensangst

Aber warum fällt vielen mathematisches Denken im Alltag so schwer? Aus der Sicht von Johann Beurich sind es besonders zwei Komponenten, die unzureichende Mathekompetenzen erklären können: fehlende Übung und Versagensangst. „Viele denken, Mathe sei etwas, das man kann oder eben nicht. Das ist dann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Wer glaubt, etwas nicht zu können, kann es auch nicht – und vermeidet das Thema später lieber“, sagt der Mathematikdoktorand, der als Youtuber „DorFuchs“ mit Liedern über Matheformeln bekannt geworden ist. Dabei liege genau da der Schlüssel zum Erfolg: „Im Grunde ist es bei Mathe wie beim Klavierspielen: Wenn man dranbleibt, kann man sich deutlich mehr aneignen, als die meisten von sich erwarten würden. Alles, was man dazu braucht, ist Übung.“

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Viele denken, Mathe sei etwas, das man kann oder eben nicht. Das ist wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Johann Beurich, Youtuber „DorFuchs“

Viel Training also – und bestenfalls noch ein Ohrwurm. „Musik ist wie ein Cheatcode: Auch, wenn ich dreimal das Gleiche singe, wird es nicht langweilig. Ein Ohrwurmspickzettel quasi“, sagt Beurich. Als „DorFuchs“ produziert er Musikvideos auf Youtube. Darin singt und rappt er mathematische Formeln, wie die binomischen Formeln, die Eulersche Zahl oder die p-q-Formel. Das kommt an: Einige seiner Videos haben über drei Millionen Aufrufe. „Man muss nur die Lyrics auswendig lernen, und Mathe ist safe“, schreibt eine Nutzerin darunter. Ein anderer mutmaßt: „Die Dislikes sind locker von Lehrern, die eifersüchtig sind, dass er es in 2,23 Minuten besser geschafft hat, binomische Formeln zu erklären, als sie in zwei Wochen.“

Ist als Youtuber „DorFuchs“ mit Liedern über Matheformeln bekannt geworden: Johann Beurich.

Ist als Youtuber „DorFuchs“ mit Liedern über Matheformeln bekannt geworden: Johann Beurich.

Lieder über Matheformeln

Dabei wollte Beurich zunächst gar keine Lernvideos machen. „Mir hat Mathe schon immer viel Freude bereitet“, sagt er „Als ich 2011 mit den Videos angefangen habe, wollte ich eigentlich nur Musik machen. Für die Texte habe ich dann eben genommen, worüber ich ohnehin gerne gesprochen und nachgedacht habe: Mathematik.“

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Den Unterricht in der Schule könnten die Lieder aber nicht ersetzen. „Die Mathesongs sind wie kleine Zirkusvorstellungen, bei denen alles ganz leicht aussieht und sich gut anfühlt“, erklärt Beurich. „Da steckt aber viel Arbeit drin. Ganz viel beim Matheverständnis besteht darin, falsche Vorstellungen loszuwerden. Da reicht es nicht, sich drei Minuten einen Song anzuhören. Man muss über die Vorstellungen reden und so merken, wo Verständnislücken sind.“

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Der Mathematikunterricht werde sich immer langwieriger und schwieriger anfühlen, aber das sei der Ort, an dem der Stoff wirklich gelernt werde, ist Beurich überzeugt. Um Mathe verstehen zu können, sei es daher wichtig, auch schwierige Gefühle auszuhalten. „Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, wenn man eine Aufgabe nicht gleich versteht und verwirrter ist als vorher. Oftmals lernt man genau dann am meisten – obwohl das Gefühl gegensätzlich ist“, erläutert der 28-Jährige. Eine weitere Schwierigkeit sei auch, dass in der Mathematik alles aufeinander aufbaue. „In den meisten Schulfächern kann man auch einfach mal eine Schulstunde im Jahrgang darüber besuchen. In Mathematik geht das nicht, weil das Vorwissen fehlt.“

Kreative Wege für mehr Spaß an Mathe

Mathemuffeln rät Beurich, Wege zu suchen, trotzdem Spaß am Knobeln und Kalkulieren zu haben – etwa durch Kopfrechentricks. „Ich hab schon Leute getroffen, die mit Mathe auf Kriegsfuß standen, aber von ihren Großeltern mal einen Kopfrechentrick erklärt bekommen haben und den richtig gut können“, so Beu­rich. „So muss man versuchen, kleine Bausteine zu finden, die man gerne macht. Und je öfter man das dann macht, desto besser wird man auch.“

Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, wenn man eine Aufgabe nicht gleich versteht und verwirrter ist als vorher. Oftmals lernt man genau dann am meisten.

Johann Beurich, Youtuber „DorFuchs“

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Das legt auch eine Studie der Stanford University nahe, der zufolge eine positive Einstellung mit einer erhöhten Beteiligung des Hippocampus-Lern-Gedächtnis-Systems verbunden war, die die mathematischen Kompetenzen steigere.

Nicht gleich aufgeben, wenn man etwas nicht gleich versteht, und regelmäßige Übung – so könnten laut Johann Beurich viele Menschen ihre Berührungsängste mit Mathe im Alltag abbauen. Und nicht alles aus der Mathematik sei schließlich immer wichtig im tagtäglichen Umgang: Kopfrechnen ist zum Beispiel etwas unwichtiger geworden, weil man immer sein Smartphone und somit einen Taschenrechner zur Hand hat.

Berührungsängste abbauen

Aber nichtsdestotrotz sei es laut Beurich hilfreich, eine grobe Vorstellung entwickeln zu können: „Man muss im Supermarkt nicht genau mitrechnen, das macht die Kasse am Ende. Aber wer ungefähr weiß, was er bezahlen muss, kann im Falle eines Fehlers schneller eingreifen“, sagt der Mathematiker. Auch der Dreisatz sei wichtig, um Rezepte für vier Personen schnell auch für drei oder fünf Personen umsetzen zu können.

Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, sei darüber hinaus ein Grundverständnis von exponentiellem Wachstum elementar. „Bei Zinsrechnungen mit dem Zinseszins ist es schwierig, intuitive Vorstellungen zu entwickeln, weil es so abstrakt scheint. Aber wer sein Geld richtig anlegen will, sollte unbedingt wissen: Was muss ich in den Taschenrechner eingeben, wenn ich über die nächsten 20 Jahre davon ausgehe, dass meine Aktie um 5 Prozent im Jahr steigt?“, unterstreicht Beurich. Es lohnt sich also, Berührungsängste mit dem einstigen „Hassfach“ abzubauen.

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