Kolumne „Von oben gesehen“

Milliarden für die Rückkehr zum Mond: Warum sich diese Investition lohnt

Menschen warten auf den Start der Artemis-Rakete, in einiger Entfernung vor dem Startkomplex 39B des Kennedy Space Center der Nasa.

Menschen warten auf den Start der Artemis-Rakete, in einiger Entfernung vor dem Startkomplex 39B des Kennedy Space Center der Nasa.

Nach mehr als 50 Jahren steht am Cape Canaveral wieder alles im Zeichen des Mondes. Artemis I soll an diesem Samstag die unbesetzte Orion-Kapsel Richtung Mond bringen, Artemis II dann Menschen in eine Mondumlaufbahn und Artemis III die erste Frau auf den Mond – so der Plan der Nasa. Die Fortsetzung von „One small step for man“, so prognostiziert ein Bericht der amerikanischen Weltraumbehörde aus dem vergangenen Jahr, wird zwischen 2012 und 2025 insgesamt 93 Milliarden Dollar kosten. Mindestens.

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Diese Summe hat auch mich schlucken lassen. Müssten wir dieses Geld nicht in andere Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimaschutz, Unterernährung oder Artensterben, investieren? Doch wer sich mit diesen komplexen Themen auseinandersetzt, dem wird auch schnell klar: Oft scheitert eine Lösung nicht am Geld. Und gleichzeitig lassen sich all diese Herausforderungen auch nicht durch das Einstellen von astronautischen Raumfahrtprogrammen bekämpfen.

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Eine Mission der Superlative

Die 93 Milliarden fliegen zudem natürlich nicht ins All, sondern bleiben auf der Erde: In den USA hängen ganze Regionen vom Wirtschaftszweig Raumfahrt ab. Auch in Deutschland sind Raumfahrtfirmen wichtige Arbeitgeber: So hat zum Beispiel Airbus Defence and Space in Bremen das Europäische Servicemodul ESM entwickelt und gebaut, welches primär für die Versorgung der Orion-Kapsel auf dem Weg zum Mond zuständig ist. Und ohne Zweifel ist Artemis I eine Mission der Superlative Die bisher leistungsstärkste Trägerrakete SLS bringt die Orion-Kapsel für ihren mehrwöchigen Testflug so weit in den Weltraum wie kein Raumschiff je zuvor. Trotzdem liegt die Frage nahe: Ist das alles sein Geld wirklich wert? Braucht es wirklich Menschen auf dem Mond?

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Als Wissenschaftlerin sage ich: na klar! Wie auch auf der Raumstation lassen sich bei einer Mondmission spannende wissenschaftliche Fragen beantworten. So wird bei der aktuellen Mission zu Beispiel mit Infrarotkameras auf der Mondoberfläche nach Wasser gesucht. Oder es wird die Frage erforscht, was mit Lebewesen passiert, die lange Zeit kosmischer Strahlung ausgesetzt sind. Zum menschlichen Körper liefern die Experimente des Deutsches Zentrums für Luft- und Raumfahrt mit den „Luna Twin“-Puppen Helga und Zohar Erkenntnisse. Und das Verhalten von Pflanzen und Pilzen unter Einfluss der hohen Strahlung wird in einem Nasa-Experiment untersucht.

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Auch ein Mehrwert auf der Erde

Diese Forschung ist ein wichtiger Baustein für Langzeitmissionen zu Mond und Mars. Aber auch auf der Erde liefern die Mondmissionen einen Mehrwert: Das Apollo-Programm schenkten uns auf diese Weise zum Beispiel Rettungsfolien, Handstaubsauger und Klettverschluss. Die Fotovoltaik ist ebenfalls durch die Nutzung in der Raumfahrt etabliert worden. Es werden auch aus dem Artemisprogramm technologische Spin-offs kommerzialisiert werden.

Dazu haben astronautische Programme unbestritten auch eine immense Symbolkraft. Sie inspirieren – und zwar nicht nur die weltweit Hunderttausende Mitarbeitende im Raumfahrtbereich, sondern zum Beispiel auch die 3,4 Millionen Menschen, die ihren Namen eingereicht haben, damit dieser gemeinsam mit Artemis I zum Mond fliegen kann. Astronautische Raumfahrt hat für mich deshalb auch einen zutiefst kulturellen Aspekt: Der eine begeistert sich für Cold-Play-Konzerte, die andere für eine Fußball-WM, und manch einer eben für Raumfahrt und das Entdecken von unbekannten Welten.

Insa Thiele-Eich ist Meteorologin und forscht an der Universität Bonn an den Zusammen­hängen zwischen Klimawandel und Gesundheit. Seit 2017 trainiert sie im Rahmen der Initiative „Die Astronautin“ als Wissenschaftsastronautin für eine zweiwöchige Mission auf der Internationalen Raumstation – und wäre damit die erste deutsche Frau im All. Hier schreibt sie alle zwei Wochen über Raumfahrt, den Klimawandel und die faszinierende Welt der Wissenschaft.

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