Korallenbleiche: erneuter Schlag für das Great Barrier Reef

Ausgebleichtes Korallenriff an den Kepple Islands am Great Barrier Reef.

Ausgebleichtes Korallenriff an den Kepple Islands am Great Barrier Reef.

Terry Hughes ist der Überbringer schlechter Nachrichten: Seit Jahren warnt der Korallenexperte der James-Cook-Universität in Australien vor dem zunehmenden Verfall des Great Barrier Reef. Auch die Ergebnisse seiner neuesten Studie zeichnen ein düsteres Bild für das größte Korallenriff der Erde, das sich über 2300 Kilometer entlang der Nordostküste Australiens erstreckt, aus über 3000 Einzelriffen besteht und die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten bildet.

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Demnach sind nur 2 Prozent des Great Barrier Reef seit 1998 von keiner der insgesamt fünf großen Bleichen betroffen gewesen. 80 Prozent der Einzelriffe sind seit 2016 ein-, zwei- oder sogar dreimal stark gebleicht, wie die neue Studie aufzeigt, die im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde.

Bleichen werden von erhöhten Wassertemperaturen ausgelöst und damit vom Klimawandel angefeuert. Während einer Bleiche wird die Symbiose der Nesseltiere mit einer Algenart, die die Korallen mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen. Zwar können sich die Tiere von Bleichen auch wieder erholen, doch wenn diese zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren, sterben die Korallen oft ganz ab.

Dramatisches Ergebnis

Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher fünf Meereshitzewellen in den vergangenen drei Jahrzehnten: 1998, 2002, 2016, 2017 und 2020. Dabei fanden sie heraus, dass die extremen Temperaturen das Great Barrier Reef „in ein Schachbrett aus gebleichten Riffen“ verwandelt haben, wie Hughes in einem Begleitartikel im akademische Magazin „The Conversation“ schrieb.

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„Ob wir in den kommenden Jahrzehnten noch ein funktionierendes Great Barrier Reef haben, hängt davon ab, wie viel höher wir den globalen Temperaturanstieg zulassen“, so der Forscher. „Die Bleichereignisse, die wir bereits in den letzten Jahren gesehen haben, sind eine Folge der Erderwärmung um 1,2 Grad seit der vorindustriellen Zeit.“ Auf Twitter kommentierte Hughes diese Erkenntnisse mit den Worten: „Dies ist eines der dramatischsten Ergebnisse meiner Karriere.“

Hughes wie auch Sean Connolly, ein Biologe der Smithsonian Institution, plädierten deswegen direkt an die Staats- und Regierungschefs, die noch bis Ende der Woche am UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow teilnehmen. Diese müssten sich zu ehrgeizigeren Versprechen verpflichten und die Treibhausgasemissionen drastisch senken.

„Es ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Korallenriffe und für die Hunderten Millionen Menschen, die für ihren Lebensunterhalt und ihre Ernährungssicherheit von ihnen abhängig sind“, sagten die Wissenschaftler. Die Hoffnung ist, dass das Riff überleben könnte, sollte die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden.

Hitzewellen härten auch ab

Ein weiteres Ergebnis der Studie war aber auch, dass die am stärksten gefährdeten Riffe jedes Jahr diejenigen waren, die seit einem Jahrzehnt oder länger nicht gebleicht sind. Lagen mehrere Episoden zeitlich nahe beieinander, erhöhte sich die Hitzeschwelle für schweres Bleichen dagegen. Frühere Ereignisse hatten Regionen des Great Barrier Reef damit abgehärtet. In den Jahren 2002 und 2017 brauchte es beispielsweise viel mehr Hitze, um einen ähnlichen Bleichegrad auszulösen, wie er in den Jahren 1998 und 2016 gemessen wurde.

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Inzwischen sind aber bereits 98 Prozent der Einzelriffe des Great Barrier Reef seit 1998 einer Bleiche ausgesetzt gewesen. Nur eine einzige Gruppe von Riffen im äußersten Süden des Great Barrier Reef, in einer kleinen Region, die während aller fünf Massenbleichen konstant kühl geblieben ist, ist ungebleicht.

Riff verlor seit 1990 die Hälfte seiner Korallen

Neben dem Klimawandel und den damit verbundenen Hitzewellen im Meer ist das Riff aber auch noch anderen Gefahren ausgesetzt: Sedimente aus Kohlehäfen, Abwässer aus der Landwirtschaft, Stürme und der gefräßige Dornenkronen-Seestern machen den Korallen seit Jahren zu schaffen.

Bereits im Oktober 2020 fand eine weitere Studie der James-Cook-Universität heraus, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist. Schon dies zeigte, dass selbst die enorme Größe des Riffs nicht ausreicht, um sein Überleben zu sichern. Auch der Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) im Dezember machte deutlich, wie ernst die Lage ist, und stufte die Aussichten des Riffs erstmals auf „kritisch“. Trotzdem fiel im Juli die Entscheidung vonseiten der Unesco, dass Riff als „nicht in Gefahr“ zu führen.

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