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Patientengeschichte

Bei Herpes Zoster ist Eile geboten“

Die Schmerzen begannen an einem späten Nachmittag Anfang März. „Zuerst fühlten sie sich an wie Nackenschmerzen nach einem Arbeitstag am PC“, erzählt Hans H. Doch dabei blieb es nicht. Einige Stunden später waren aus den Nacken- bereits starke Kopfschmerzen geworden. „Und sie wurden ständig stärker“, erinnert sich der 63-Jährige. Am nächsten Morgen nach dem Duschen entdeckte er außerdem Pusteln hinter dem linken Ohr und am Hals, aus denen Bläschen wurden. „Da war mir klar, dass es sich um etwas anderes handeln musste als um Kopfschmerzen.“

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Seine Schmerzen hatten mittlerweile eine Intensität erreicht, die ihn an einen Bandscheibenvorfall vor ein paar Jahren erinnerten. Auf einer Skala, mit der Schmerzmediziner die Schmerzstärke von null bis zehn kategorisieren, ordnete H. seine Schmerzen ganz nahe bei Stufe zehn ein. „Sie waren brennend und ziehend, ähnlich wie Zahnschmerzen.“ Weil er den Arzt Michael Bernateck aus der MHH-Schmerzambulanz schon von einer anderen Behandlung kannte, wandte er sich nach zwei Tagen an ihn. Dessen Diagnose: Herpes Zoster, umgangssprachlich auch Gürtelrose genannt.

Die Viruserkrankung tritt durch einen schmerzhaften Hautausschlag mit Blasen in Erscheinung, verursacht durch eine Nervenentzündung, die auf das umliegende Hautgewebe übergreift. Auslöser der Erkrankung ist das zur Familie der Herpesviren gehörende Varizella-Zoster-Virus. Es wird bereits in der Kindheit durch Ansteckung übertragen und verursacht in dieser Lebensphase Windpocken. Der Name Gürtelrose leitet sich vom griechischen Wort für Gürtel = "zoster" ab.
In Deutschland erkranken jährlich etwa 350 000 bis 400 000 Menschen an einem Herpes Zoster, zwei Drittel von ihnen sind älter als 50 Jahre. Normalerweise sind die Betroffenen nach ihrer Windpockeninfektion immun gegen die Erkrankung, das Virus aber verbleibt in den Nervenwurzeln (Spinalganglien) des Rückenmarks und der Hirnnerven. Ausgelöst durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem kann es aber reaktiviert werden, wobei sich das Nervengewebe entzündet. Herpes Zoster wird nicht durch Ansteckung übertragen, die Erkrankung ist immer eine Reaktivierung einer früheren Infektion.

Hans H. hatte Glück, weil er rechtzeitig zum Arzt gegangen ist. Er erhielt sofort Virostatika zum Abtöten der Viren und Medikamente gegen den Nervenschmerz. „Bei Herpes Zoster ist Eile geboten“, erläutert der Rheumatologe und Schmerzmediziner Bernateck. „Wenn nicht innerhalb der ersten Tage behandelt wird, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen jahrelang unter Nervenschmerzen leiden.“ Deshalb sollten Patienten, die an Herpes Zoster erkrankt sind, schnell den Arzt oder eine Notfallsprechstunde aufsuchen.

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Jetzt, zehn Wochen nach Ausbruch der Krankheit, stuft H. seine verbliebenen Schmerzen noch in Stufe eins ein. Die Opioide konnte er schon nach zwei Monaten absetzen, und Schmerzmediziner Bernateck ist sich sicher, dass die Schmerzen schon bald vollständig verschwunden sein werden. „Die ersten zwei Wochen waren allerdings schlimm“, erinnert sich der Studienleiter. „Ich konnte schlecht schlafen, weil ich immer wieder wach geworden bin.“ Während der Dauer der Erkrankung hat der 63-Jährige auch weitergearbeitet. „Es standen Prüfungen an, da konnte ich mich schlecht rausziehen.“

Durch eine Blutuntersuchung wurde inzwischen nachgewiesen, dass die Zosterviren durch das Medikament abgetötet worden sind. „Das ist wichtig, denn durch die Erkrankung können auch Organe wie die Leber und die Nieren geschädigt werden“, erläutert Bernateck. Ein neuer Impfstoff, der das Erkrankungsrisiko um die Hälfte verringert und in den übrigen Fällen die Schmerzen deutlich mindert, ist unter dem Namen Zostavax bereits in den USA und in Österreich für Menschen ab 50 Jahre verfügbar. In Deutschland soll das Medikament ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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