Great Barrier Reef: Warum Geld allein das Riff nicht retten kann

Ausgebleichte und somit abgestorbene Acropora-Korallen vor der australischen Insel Lizard Island.

Über den Dezember hinweg war es am Great Barrier Reef heißer denn je zuvor. Sollte der extreme Hitzestress eine weitere Korallenbleiche auslösen, so würde es das größte Riff der Erde zum vierten Mal in nur sieben Jahren treffen.

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Insgesamt hat das 2300 Kilometer lange Riff in den vergangenen Jahrzehnten fünf Massenbleichen erlebt – 1998, 2002, 2016, 2017 und 2020. Diese waren allesamt eine Folge steigender Meerestemperaturen, verursacht durch die globale Erwärmung. Während einer Bleiche wird die Symbiose der Nesseltiere mit einer Algenart, die die Korallen mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen. Zwar können sich die Tiere von Bleichen auch wieder erholen, doch wenn diese zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren, sterben die Korallen oft ganz ab.

Die Hälfte des Riffs ist bereits tot

Erst im November zeigte eine Studie, die im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht wurde, dass inzwischen bereits 98 Prozent der Einzelriffe seit 1998 einer Bleiche ausgesetzt waren. Nur eine einzige Gruppe von Riffen im äußersten Süden des Great Barrier Reef, in einer kleinen Region, die während aller fünf Massenbleichen konstant kühl geblieben ist, ist bisher ungebleicht.

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Im Oktober 2020 war eine weitere Studie zudem zu dem Schluss gekommen, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den Neunzigerjahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist. Dafür ist sicher nicht nur der Klimawandel verantwortlich, auch Abwässer aus der Landwirtschaft, Sedimente aus Kohlehäfen, Stürme oder die gefräßigen Dornenkronenseesterne haben ihren Teil dazu beigetragen. Der Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) im Dezember 2020 machte deutlich, wie ernst die Lage ist: Er stufte die Aussichten des Riffs erstmals auf „kritisch“.

Nur Wolken und Regen können Bleiche noch verhindern

Die augenblickliche Unterwasserhitzewelle, die weit über der Norm für diese Jahreszeit liegt, hat Forscher nun erneut in Alarmbereitschaft gesetzt. So hat die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA das nördliche Riff vor Kurzem auf Alarmstufe zwei gesetzt. Dies bedeutet, dass die Forscher eine schwere Korallenbleiche in den kommenden Wochen für wahrscheinlich halten. Nur mehr Wolken und Regen im Februar könnten eine Bleiche noch verhindern – etwas, das dank der La-Niña-Saison aber durchaus möglich wäre.

Zusätzlich zu dieser Gefahr wurde vor Kurzem bekannt, dass der australische Bundesstaat Queensland, vor dessen Küste das Great Barrier Reef liegt, in den vergangenen Jahren enorm große Flächen gerodet hat. So wurden 2018/19 über 680.000 Hektar abgeholzt. Laut der Umweltorganisation WWF befindet sich ein Drittel dieser gerodeten Fläche in Einzugsgebieten, in denen Wasserwege in Richtung Riff fließen.

Trügerisches Idyll: Ein Weißer Hai schwimmt über ausgebleichte Korallen am  Escape Reef in Australien.

Trügerisches Idyll: Ein Weißer Hai schwimmt über ausgebleichte Korallen am Escape Reef in Australien.

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Rettungspaket wird aufgestockt

All das stellt wenige Wochen vor dem Besuch der IUCN im Land nicht direkt die richtigen Weichen. Im vergangenen Jahr war das Riff nach einer groß angelegten Marketingkampagne der australischen Regierung zwar noch knapp an der Roten Liste der Unesco vorbei geschrammt. Doch schon damals ließ das Welterbekomitee verlauten, man habe die drei jüngsten Massenbleichereignisse „mit größter Besorgnis und mit Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Zudem kritisierte man schon damals die „unzureichenden“ Fortschritte, die in Bezug auf Wasserqualität und Agrarwirtschaft gemacht worden seien. Wie das Komitee bei seinem Treffen in diesem Jahr entscheiden wird, ist deswegen ungewiss, doch die Analyse der IUCN wird sicherlich ein Vorbote sein.

Sicher um die Gemüter vorab ein wenig zu besänftigen, hat die australische Regierung vergangene Woche nun weiteres Geld versprochen. So soll im Falle eines Wahlsieges das derzeitige Zwei-Milliarden-Dollar-Rettungspaket um eine weitere Milliarde Australische Dollar – umgerechnet knapp 630 Millionen Euro – aufgestockt werden. Das Geld soll über die kommenden neun Jahre hinweg in den Erhalt des Welterbes fließen.

Bargeld allein kann die Probleme nicht lösen

Wissenschaftler und Umweltschützer begrüßten diese Nachricht durchaus, doch gleichzeitig sparten sie auch nicht mit Kritik. So kommentierte der Korallenexperte Terry Hughes auf Twitter, dass Australien trotz der Finanzspritze ja nach wie vor täglich Kohle und Gas über das Great Barrier Reef ins Ausland exportiere. Und John Church, ein Klimawissenschaftler der University of New South Wales in Sydney, monierte, dass die Investition im Vergleich zu den ökologischen und wirtschaftlichen Schäden, die die Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Klimawandel am Riff anrichten würden, „vernachlässigbar“ sei.

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Erst aus der Luft lässt sich das ganze Ausmaß der Korallenbleiche erfassen.

Erst aus der Luft lässt sich das ganze Ausmaß der Korallenbleiche erfassen.

Auch der Riffexperte des WWF, Richard Leck, betonte, dass Bargeld allein die Probleme des Riffs nicht lösen werde. „Wir müssen die Wälder besser schützen und verstärkt an der Wasserqualität arbeiten“, meinte er. Außerdem müsse Australien sich zu einer Klimapolitik bekennen, die mit einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad vereinbar ist. So habe das Riff laut Leck eine Überlebenschance, wenn Australien bis 2030 zum weltweit führenden Exporteur erneuerbarer Energien werde und gleichzeitig die heimischen und exportierten Emissionen senke.

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