Matthias Maurer: Der Esa-Astronaut, der im All den Perspektivwechsel sucht

Esa-Astronaut Matthias Maurer: „Ich möchte die Menschen auf diese Traumreise mitnehmen."

Esa-Astronaut Matthias Maurer: „Ich möchte die Menschen auf diese Traumreise mitnehmen."

Wenn Esa-Astronaut Matthias Maurer über seine Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) spricht, ist er kaum zu bremsen. Er will sein Wissen, das er in den vergangenen Monaten gesammelt hat, mit anderen teilen – und das so präzise und verständlich wie möglich. Keine Frage zu seinem ersten Weltraumflug Anfang November bleibt unbeantwortet, nicht eine erwidert er mit zwei oder drei knappen Sätzen.

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„Jetzt habe ich so viel geredet“, stellt er irgendwann beiläufig fest. Ein verschmitztes Lächeln huscht dabei über seine schmalen Lippen, als ob er in diesem Moment selbst über seine langatmigen Ausführungen schmunzeln muss. Vielleicht, weil es nicht das erste Mal ist, dass er auf eine fünfsekündige Frage zu seinen Aufgaben auf der ISS eine fünfminütige Antwort gibt.

Maurer lebt „Erwachsenentraum“

Maurer scheint in seinem Beruf als Astronaut eine echte Berufung gefunden zu haben, wenn er vorfreudig, und fasziniert zugleich, über das Erhitzen von nicht metallischen Objekten in der Schwerelosigkeit spricht. Ein Kindheitstraum sei die Raumfahrt allerdings nicht gewesen, gibt der 51-Jährige offen zu. Darin unterscheidet er sich von anderen Astronautinnen und Astronauten wie seinem Vorgänger Alexander Gerst, der schon in jungen Jahren ins Weltall strebte. Für Maurer ist der Flug zur ISS, wo er sechs Monate lang leben und forschen wird, vielmehr ein „Erwachsenentraum“, so sagt er selbst.

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Mit 51 Jahren wird er zudem der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug sein. Auf sein Alter angesprochen, reagiert Maurer dieses Mal ohne Umschweife: „Ich weiß, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, aber ich bin auch nicht der älteste.“ Sein US-Kollege Thomas Marshburn führt mit 61 Jahren die Altersrangfolge der Besatzungsmitglieder der SpaceX Crew-3 an, zu denen auch Maurer gehört.

Kollegen haben teilweise mehr Erfahrung

Im Unterschied zu dem Esa-Astronauten hat Marshburn bereits zwei Weltraumflüge zur ISS absolviert. Er weiß, wie das Leben über der Erde in rund 400 Kilometern Höhe ist und wie sich die Schwerelosigkeit auf den Körper auswirkt.

Maurer weiß das auch – allerdings nur in der Theorie, beziehungsweise durfte er Erfahrungen bislang nur unter Trainingsbedingungen sammeln. Unter Wasser einen Spacewalk zu simulieren, wie er es im Trainingspool in Houston immer wieder getan hat, dürfte sicherlich etwas anderes sein als im Weltall, wo jeder noch so kleine Fehler lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann. Maurer kennt die Gefahren, die sein Weltraumflug birgt, und nimmt sie bewusst in Kauf. Doch warum?

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Auf der Suche nach neuen Perspektiven

Auch auf diese Frage hat der gebürtige Saarländer eine Antwort: Es sei der Perspektivwechsel, also der Wunsch, die Erde aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, der ihn reizt – ebenso wie das Abenteuer an sich.

Andere Perspektiven kennenzulernen, vor allem in kultureller Hinsicht, war schon immer ein fester Bestandteil in Maurers Leben. Er studierte Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in Großbritannien, Frankreich und Spanien, nahm während seines Studiums an internationalen Wissenschaftskooperationen teil, die ihn bis nach Südkorea und Argentinien führten, und nutzte die Zeit nach seiner Promotion für eine Reise um die Welt.

Die Internationale Raumstation wird für Matthias Maurer sechs Monate lang zum neuen Zuhause.

Die Internationale Raumstation wird für Matthias Maurer sechs Monate lang zum neuen Zuhause.

Dass nach all diesen Ausflügen auf der Erde nun die Erkundung des Weltalls folgt, scheint der nächste, logische Schritt zu sein. 2008 hatte sich Maurer in der letzten Runde des Auswahlverfahrens für europäische Astronautinnen und Astronauten der Esa beworben und es unter die Top zehn Bewerber geschafft; doch es sollten noch zwölf weitere Jahre vergehen, ehe er tatsächlich die Chance erhielt, zur ISS zu fliegen. Und auch dann musste er sich gedulden: Sein Start wurde mehrmals verschoben – erst wegen schlechten Wetters, dann gab es ein „kleineres medizinisches Problem“ bei einem der Crew-Mitglieder und schließlich wurde die Rückkehr einer anderen Crew vorgezogen.

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Mission wird zur Liebeserklärung an den Weltraum

Seinen Weg zur Raumstation dokumentiert Maurer täglich – und zwar in den sozialen Netzwerken wie Twitter. Dort finden sich zahlreiche Beiträge, Bilder und Videos, etwa zu Trainingseinheiten oder besonderen Veranstaltungen. Die Kanäle zur Außenwelt spielen für die Mission des 51-Jährigen eine wichtige Rolle: Sie machen es möglich, dass alle Menschen auf der Erde an dem Weltraumflug, zumindest auf digitalem Weg, teilnehmen können.

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Das ist Maurers Ziel, welches sich auch hinter dem selbstgewählten Namen seiner Mission Cosmic Kiss (auf deutsch: kosmischer Kuss) verbirgt: „Ich möchte die Menschen auf diese Traumreise mitnehmen“, macht er deutlich. Er will die Liebe zum Weltall, die er selbst verspürt, mit anderen teilen. Vor ihren Computern und Smartphones sollen sich die Menschen, die Maurer auf der Erde zurücklässt, für einen kurzen Moment selbst wie Astronautinnen und Astronauten fühlen dürfen, wenn sie Bilder und Videos von seinem Aufbruch ins All oder von der ISS betrachten.

Auch Aufnahmen aus der Cupola, dem Beobachtungsturm der Raumstation, dürften bald in den sozialen Netzwerken auftauchen. Zumindest hat sich Maurer vorgenommen, dort einmal hinzuschweben und 90 Minuten lang die Schönheit der Erde zu genießen. Einen Blick dürfte der Astronaut dabei auch auf den Mond werfen – sein nächstes Traumreiseziel.

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