Neuer Job beim alten Arbeitgeber: Chance oder Gefahr?

Erneut einen Job bei dem ehemaligen Arbeitgeber einzugehen, birgt für beide Seiten Chancen, aber auch Herausforderungen.

Köln/Hamburg. Rückkehr – sei es zur alten Liebe, ins Elternhaus oder auch in den alten Job – bringen viele wohl mit dem einfachsten Weg und Bequemlichkeit in Verbindung. Oder sie nehmen an, dass der Rückkehrer oder die Rückkehrerin es woanders nicht geschafft hat. Kann sein. Aber gerade im Beruf bringt es Vorteile mit sich, nach einigen Zwischenstationen oder ein paar Jahren in einem anderen Job zum ehemaligen Arbeitgeber zurückzukehren. Das sogenannte Boomerang-Hiring oder Rehiring birgt aber auch Gefahren.

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Bevor man wieder beim Ex-Arbeitgeber anfängt, sollte man sich noch mal bewusst machen, warum man gegangen ist, rät Karrierecoach Bernd Slaghuis. Lag es an der Unternehmenskultur, dem Management oder den Aufgaben? Waren es Gründe auf Organisationsebene, sollte man nur zurückkehren, wenn sich in diesem Bereich etwas geändert hat, etwa in der personellen Besetzung. „Dann kann das ein super Schritt und eine Chance für beide Seiten sein.“

Psychologin: Die innere Einstellung zählt

Für die Psychologin und Coachin Kristine Qualen zählt die innere Einstellung: Man sollte nicht davon ausgehen, ins warme Nest zurückzukehren. Sie empfiehlt stattdessen, sich klarzumachen, welche Entwicklung man beruflich gemacht hat. Welche zusätzlichen Erfahrungen habe ich gesammelt? Welche Kompetenzen habe ich erweitert? Vor dem Hintergrund kommt man gestärkt zurück.

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Rückkehrerinnen und Rückkehrer sollten sich vorab überlegen, wie sie ihren Schritt vor dem Team begründen. So lassen sich Flurfunk und Vermutungen weitgehend vermeiden. Werde der Schritt klar und eindeutig erklärt, sei das Thema wahrscheinlich nach zwei Wochen erledigt, statt zum Dauerbrenner in der Kaffeeküche zu werden.

Neue Aufgaben übernehmen

Und es gibt ein weiteres Problem, das beim Boomerang-Hiring mit den neuen und alten Kollegen zusammenhängt: der Stempel, den man möglicherweise nicht loswird. „Es kann einem gehen, wie dem Azubi, der im Unternehmen bleibt: Er bleibt immer der Azubi“, sagt Slaghuis. „Es ist schwer, eine neue Rolle anzunehmen und von den Kollegen auch so gesehen zu werden.“ Dessen sollte man sich bewusst sein und sich entsprechend vorbereiten. Wie will ich mich neu positionieren? Das kann über neue Themen und Aufgabengebiete geschehen, aber auch über das eigene Verhalten im Team.

Darüber sollte man früh ins Gespräch gehen, rät der Coach. Wichtig sei, Reset zu drücken und zu besprechen, wie die Zusammenarbeit gut funktionieren kann. Andernfalls laufe man Gefahr, dass Team und Führungsebene sich wundern: Der war doch früher ganz anders? Gegebenenfalls setze man sogar die eigene Weiterentwicklung aufs Spiel.

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Klare Kommunikation bei der Bewerbung

Klare Kommunikation empfiehlt sich auch im Bewerbungsprozess: „Im Anschreiben sollte man die Verbindung aufgreifen und nicht so tun, als sei man irgendein externer Bewerber“, sagt Slaghuis. Thematisch passend findet er den Bezug zum Unternehmen in dem Part, wo es um die eigenen Stärken und Kompetenzen geht.

Für das Gespräch sollte der Bewerber oder die Bewerberin sich auch auf unangenehme Fragen einstellen, sagt Qualen. Die Gründe erklären, warum man gegangen ist, zum Beispiel. Sie empfiehlt, sich darauf gut vorzubereiten. Entweder durch ein Rollenspiel mit einer vertrauten Person oder, indem man seine Antworten aufzeichnet und hinterher anhört. „Es geht nicht darum, die beste Antwort auswendig zu lernen.“ Aber es wirke oft nicht souverän, wenn man unbequeme Fragen zum ersten Mal beantwortet.

Alte Strukturen, neues Wissen

Slaghuis rät, im Gespräch die Augen offen zu halten und nicht darauf zu vertrauen, dass alles so ist wie früher. Besser sei es gezielt zu fragen: Ich kenne dieses oder jenes so – wird das noch immer so gehandhabt? „Jeder Rückkehrer sollte sich ein Update des guten Gefühls verschaffen.“ Aber auch möglicherweise unbequeme Fragen sollte man stellen: Dort gab es früher Probleme - wie ist das heute? So erspart man sich unangenehme Überraschungen.

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Geht man offen miteinander um, können beide Seiten vom Boomerang-Hiring profitieren. Ehemalige Beschäftigte kennen die Strukturen und bringen frisches Wissen mit – im besten Falle von einem Wettbewerber, so Slaghuis. „Das ist der Hauptgrund, warum Arbeitgeber Interesse haben, ehemalige Leistungsträger zurückzugewinnen.“

Wer das Unternehmen und die dortige Kultur bereits kennt, kann sein Netzwerk schneller wieder aufbauen, sich schneller entfalten und somit auch schneller für das Unternehmen wirksam sein, sagt Qualen. Daher gilt es auch zu Beginn, die mittel- und langfristige Perspektiven im neuen alten Unternehmen zu besprechen. Das zeige zum einen Zuverlässigkeit und Beständigkeit, aber auch Eigenmotivation.

RND/dpa

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