Sportmedizinerin: Achtsames Essen kann glücklich machen

Wer achtsam isst, kann sich dadurch glücklicher fühlen.

Warum essen wir? Die Antwort ist einfach: Damit wir unser Überleben sichern. Der Magen kontrahiert, wenn er leer ist. Der Blut­zucker­spiegel sinkt dann. Diese Reaktionen melden dem Gehirn: Hunger. Also essen wir. Warum aber essen wir auch, wenn wir eigentlich nicht hungrig, sondern gestresst oder traurig sind? Auch das klingt zunächst banal: Weil essen uns beruhigt, tröstet und vielleicht sogar ein bisschen glücklich macht.

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Dass Essen und Gefühle eng miteinander verknüpft sind, haben wir schon mit der Muttermilch eingesogen. Ein Baby schreit, wenn es Hunger hat, die Mutter stillt es und beruhigt es damit auch. Sie sorgt damit nicht nur für die notwendigen Nährstoffe, sondern vermittelt zusätzlich Wärme und Geborgenheit. Auch später kommt es häufig vor, dass Eltern ihr Kind mit Süßigkeiten trösten, weil es gefallen ist, oder belohnen, weil es artig war. Das wiederum führt in unserem Gehirn zur Freisetzung der Botenstoffe Dopamin und Serotonin, die essenziell an der Entstehung guter Gefühle beteiligt sind.

Wieso kohlen­hydrat­reiche Mahlzeiten glücklich machen

In manchen Lebensmitteln finden sich auch Vorstufen des Glücks­hormons, das Tryptophan. Dabei handelt es sich um eine essenzielle Aminosäure, die nicht von unserem Körper selbst hergestellt werden kann. Sie findet sich bekanntermaßen nicht nur in Schokolade, Käse oder Nüssen, sondern auch in Ananas, Bananen, Pflaumen und Trockenfrüchten wie Datteln und Feigen. Das ist aber nicht alles: Schon vor Jahren haben Untersuchungen gezeigt, dass eine eiweißarme und eher kohlen­hydrat­reiche Mahlzeit uns zufriedener und ausgeglichener machen kann. Das bringt dann auch Nudeln, Kartoffeln, Brot, und Reis im wahrsten Sinn des Wortes auf den Tisch.

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Die Steigerung der Koh­len­­hy­drat­­zu­fuhr führt ebenfalls zu einer vermehrten Bildung von Serotonin, während eine eiweiß­arme Kost die Aufnahme von Tryptophan zu fördern scheint.

Omega-3-Fettsäuren heben die Stimmung

Auch der Fischkonsum wirkt sich auf die Stimmung, vor allem bei Depressionen, aus. Dort, wo viel Fisch konsumiert wird, finden sich weniger Depressionen. Erklärt wird dies unter anderem durch die Omega-3-Fettsäuren. Sie sind Bestandteile von Nervenzellen und wirken ebenfalls auf das dopaminerge beziehungsweise serotonerge System. Außerdem haben sie entzündungs­hemmende Wirkung.

Inwiefern aber nun all diese Speisen tatsächlich glücklicher und zufriedener machen, wird wissenschaftlich immer noch diskutiert. Als sicher gilt, dass Glücksgefühle beim oder nach dem Essen bestimmter Speisen auftreten. Hier spielt vor allem der Neuro­transmitter Dopamin eine zentrale Rolle. Der wiederum steckt zwar nicht in dem Lebensmittel selbst, wird aber freigesetzt, weil unser Gehirn das Lieblings­gericht mit einem besonderen Genuss verbindet oder mit schönen Erlebnissen.

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Umso wichtiger ist es, auch entsprechende gute Verknüpfungen herzustellen. Das gelingt über das sogenannte achtsame Essen. Denn während emotionales Essen nicht selten mit einer Reaktion auf Stress oder Unangenehmes verbunden wird und damit auch die Entstehung von Übergewicht begünstigen kann, steht beim achtsamen Essen der Genuss, aber auch das Beachten der eigenen Bedürfnisse im Fokus. Ist es wirklich Hunger, „nur“ Appetit oder vielleicht etwas ganz anderes, für das Essen wiederum nur eine kurzfristige Lösung bietet? In diesem Fall hilft eher ein Spaziergang.

Prof. Christine Joisten ist Sport­medizinerin am Institut für Bewegungs- und Neuro­wissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

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