Ist die Farbwahl ein politisches Statement?

Russische Kosmonauten haben die ISS erreicht – und tragen Anzüge in den Farben Gelb und Blau

Inmitten schwerster Spannungen zwischen Russland und dem Westen ist eine rein russische Besatzung an der Internationalen Raumstation (ISS) mit Umarmungen und Klatschen in Empfang genommen worden. Die Kosmonauten Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow erreichten am Freitag mit ihrem Raumschiff vom Typ Sojus MS-21 die ISS, wie Livebilder der US-Raumfahrt­behörde Nasa zeigten. Sie dockten um 3.12 p.m. Eastern Time, also um 20.12 Uhr deutscher Zeit, an der Weltraumstation an.

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Kurz darauf schwebten sie in die ISS und wurden dort von ihren Kollegen – den Russen Anton Schkaplerow und Pjotr Dubrow, den US-Amerikanern Mark Vande Hei, Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron und dem Deutschen Matthias Maurer – mit Jubel, Umarmungen, Händeschütteln, Klatschen, hochgestreckten Daumen und Erinnerungsfotos – empfangen.

Ist ihr Outfit ein politisches Statement?

Dabei erregte die Farbe ihrer Kleidung Aufmerksamkeit: Nach ihrer Ankunft waren die drei Kosmonauten in gelben Anzügen mit blauen Aufnähern zu sehen gewesen. Das zeigen Bilder aus dem Livestream der russischen Weltraumbehörde Roskosmos. Ist das eine Anspielung auf den Krieg, den Russland in der Ukraine führt?

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In sozialen Netzwerken spekulierten Nutzer und Nutzerinnen über die Intention der Farbwahl. Der Blogger Eric Berger, der für das Technikmagazin „Ars Technica“ schreibt, twitterte, dass die Fluganzüge der Besatzung für gewöhnlich Monate vor einer Mission geplant würden. Es sei demnach möglich, dass die gelb-blauen Anzüge Zufall seien – allerdings dann ein sehr großer.

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Die Kosmonauten selbst äußerten sich bislang nicht zu einem politischen Motiv. In einem Gespräch mit seiner Familie soll Oleg Artemjew gesagt haben, dass jede Besatzung ihre eigenen Anzüge aussuche: „Wir waren an der Reihe, eine Farbe auszuwählen. Aber tatsächlich hatten wir eine Menge gelbes Material angesammelt, das wir verwenden mussten. Deshalb mussten wir Gelb tragen.“

„Wir hatten eine Menge gelbes Material angesammelt“

Die drei russischen Kosmonauten waren rund drei Stunden vor dem Andocken vom russischen Weltraum­bahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Das hatten Livebilder der russischen Raumfahrt­behörde Roskosmos gezeigt. Zu sehen war, wie die Rakete in den Nachthimmel über Zentralasien aufstieg. Die am Freitag gestartete Sojus trägt den Namen des sowjetischen Raketen­konstrukteurs Sergej Koroljow, der 1907 in Schytomyr geboren wurde. Die Stadt liegt heute in der Ukraine.

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In der Vergangenheit war – anders als diesmal – meist ein US-Astronaut oder etwa ein Astronaut der europäischen Raumfahrtbehörde Esa bei Starts in der Sojus mitgeflogen. Die US-Raumfahrt­behörde Nasa nutzt seit einiger Zeit wieder US-Raumschiffe für die Flüge zur ISS.

Zusammenarbeit in der Raumfahrt belastet

Die wegen des Angriffs auf die Ukraine gegen Moskau verhängten Sanktionen haben auch die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland in der Raumfahrt schwer belastet – auch wenn beide Seiten betonen, die Station zunächst weiter betreiben zu wollen. Roskosmos hatte zuletzt allerdings die Zukunft der ISS nach Auslaufen des Vertrags 2024 offen gelassen. Die Nasa strebt eine Laufzeit bis 2030 an.

Matthias Maurer, der am Freitag seinen 52. Geburtstag im All feierte, hatte im Vorfeld bereits angekündigt, dass er nach dem Andocken die gesamte Crew zu einem Essen einladen wolle. „Ich möchte natürlich das Beste servieren, ein bisschen saarländisches Essen“, sagte der gebürtige Saarländer der Deutschen Presse-Agentur. „Ich muss mal gucken, dass ich da noch genügend Essen hier habe.“ Der Astronaut war am 11. November mit drei Kollegen der US-Raumfahrt­behörde Nasa zum Außenposten der Menschheit aufgebrochen. Er ist der zwölfte Deutsche im All und der vierte auf der ISS und soll Ende April zurückkehren.

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Außeneinsätze geplant

Die Besatzung der ISS hat in den kommenden Tagen und Wochen viel Arbeit vor sich: Am Mittwoch (23. März) soll Maurer als vierter Deutscher zu einem Außeneinsatz aus der ISS aussteigen. Bei dem etwa sechseinhalb­stündigen Einsatz rund 400 Kilometer über der Erde soll Maurer zusammen mit seinem US-Kollegen Raja Chari Wartungsarbeiten übernehmen. Chari war bereits am Dienstag mit Kollegin Barron zu einem Außeneinsatz ausgestiegen. Ende März soll der US-Astronaut Vande Hei gemeinsam mit den Kosmonauten Schkaplerow und Dubrow in einer russischen Sojus-Raumkapsel zur Erde zurückkehren.

RND/dpa/vv

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