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Fragen und Antworten

Was ist der Transgender Day of Visibility?

Anlässlich des Transgender Day of Visibility hisst die Innensenatorin Berlins Iris Spranger (links, SPD), die Transflagge vor ihrem Dienstsitz.

Wer sich mit dem bei der Geburt festgelegten Geschlecht nicht oder nicht ganz identifizieren kann, wird in der Regel als trans bezeichnet. Trans Menschen haben dabei oft nicht nur lange mit der eigenen Identität zu kämpfen, sondern auch mit gesetzlichen Regelungen und gesellschaftlichen Ansichten. Der Transgender Day of Visibility soll international darauf aufmerksam machen.

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Was soll der Transgender Day of Visibility bewirken?

Der Transgender Day of Visibility, zu Deutsch Transgendertag der Sichtbarkeit, soll trans Menschen feiern und ihre Kämpfe für Selbstbestimmtheit und Akzeptanz würdigen. Das schließt auch nicht binäre Menschen mit ein, die sich keiner Geschlechteridentität eindeutig zuordnen. Damit solle sowohl auf Diskriminierung in der Gesellschaft als auch durch die Politik aufmerksam gemacht werden.

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Welche Rechte haben trans Menschen?

Im Jahr 1980 wurde in Deutschland das Transsexuellengesetz (TSG) verabschiedet. Es ermöglicht, dass trans Menschen unter bestimmten Voraussetzungen ihren Vornamen sowie ihre Geschlechtszugehörigkeit rechtlich ändern. Um ihren Vornamen ändern zu können, muss demnach die trans Person „seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang“ stehen, entsprechend ihrer Vorstellungen leben zu wollen. Außerdem müsse es „hoch wahrscheinlich“ sein, dass sich dieses Empfinden nicht mehr ändern werde. Zwei unabhängige psychiatrische oder sexualmedizinische Gutachten müssen das bestätigen.

Um auch die Geschlechterzugehörigkeit anzupassen, war es lange vorausgesetzt, dass die Person „dauernd fortpflanzungsunfähig“ und nicht verheiratet war. Außerdem musste sie die äußerlichen Geschlechtsmerkmale durch eine Operation an die Geschlechteridentität anpassen. 2009 sowie 2011 wurden diese Punkte jedoch als unwirksam erklärt, da sie die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit verletzten. „Inzwischen sind so viele Normen des TSG vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft worden, dass Jurist*innen von einer ‚Gesetzesruine‘ sprechen“, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) dazu.

Seit 2018 sind Personenstandsänderungen auch über das sogenannte Personenstandsgesetz (PStG) möglich. Seitdem gibt es auch die dritte Eintragungsmöglichkeit als „divers“. Durch das PStG haben auch viele trans und nicht binäre Personen ihr Geschlecht ändern lassen. Einige Standesämter haben dies jedoch teilweise auch verweigert mit der Begründung, das Gesetz beziehe sich nur auf intersexuelle Menschen, wie die bpb schreibt. Das Bundesinnenministerium hat den Standesämtern recht gegeben. Die Praxis scheint dadurch für trans Menschen sehr uneinheitlich zu sein.

„Wir müssen Respekt vor diesen Menschen haben und ihnen diese teilweise entwürdigende Behandlung ersparen.“

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP)

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Was wird an der Gesetzeslage kritisiert?

Viele Betroffene kritisieren das aufwendige und teilweise Jahre dauernde Verfahren durch das TSG. Sowohl das TSG als auch das PStG spiegeln laut Kritikerinnen und Kritikern zudem überholte Sichtweisen auf das Geschlecht wider. So stelle die Pflicht zu medizinischen Gutachten das Transsein „fälschlicherweise als unheilbare Krankheit“ dar, wie die bpb schreibt, und verwehre das Recht auf Selbstbestimmung.

Außerdem sei es laut Betroffenen sowie auch aus Sicht von vielen Forschenden überholt, dass das TSG nur von zwei Geschlechtern und stabilen Geschlechtsidentitäten ausgehe. Nicht binäre Personen fühlen sich beispielsweise keinem Geschlecht angehörig oder wechseln ihre Geschlechteridentitäten – auch genderfluid genannt. Für sie gebe es demnach kein passendes Verfahren.

Was will die Politik ändern?

Die Bundesregierung plant, das TSG abzuschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen. Ein Antrag bei Gericht und auch ein psychologisches Gutachten solle dann nicht mehr nötig sein; eine reine Willensentscheidung genüge. Im Gespräch mit dem RND sprach sich auch Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) dafür aus. Der Staat behandele trans Menschen noch immer so, „als stimme etwas mit ihnen nicht“. Er kritisierte das bislang gerichtliche Verfahren und die zwei Gutachten „mit intimsten Fragen“. „Wir müssen Respekt vor diesen Menschen haben und ihnen diese teilweise entwürdigende Behandlung ersparen. Das ist unser Ziel.“

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Wo werden trans Menschen in der Gesellschaft diskriminiert?

Nicht nur rechtlich müssen trans Menschen seit Jahren für Anerkennung und Akzeptanz kämpfen. Auch der Alltag wird ihnen in vielerlei Hinsicht erschwert. „Inter*personen und Trans*personen erleben Diskriminierungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, beim Einkaufen, beim Versuch, unter ihrem Namen und ihrem Geschlecht Verträge abzuschließen, sowie geschlechtsspezifische Hassgewalt“, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung. Alltägliche Situationen können zu Schwierigkeiten werden, wie der Gang zur Toilette oder in die Umkleide. Trans Menschen sind in den vergangenen Jahren jedoch immer sichtbarer geworden. Der Austausch führt dabei immer mehr zum Umdenken in Gesellschaft und Politik.

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