Forscher zur Zukunft der Wälder

CO₂-Verbrauch ausgleichen: Jeder Deutsche bräuchte einen Hektar Wald

Wanderer sind in Wippra unterwegs. Die Talsperre ist ein beliebtes Wanderziel.

Wanderer sind in Wippra unterwegs. Die Talsperre ist ein beliebtes Wanderziel.

Göttingen. Jeder Bundesbürger und jede Bundesbürgerin bräuchte nach Auffassung des Göttinger Forstexperten Christian Ammer etwa einen Hektar Waldfläche, um seinen derzeitigen CO₂-Verbrauch auszugleichen. „Dafür würde das gesamte Bundesgebiet bei Weitem nicht ausreichen“, sagte der Forstwissenschaftler der Universität Göttingen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Die Wälder könnten derzeit rund elf Prozent der jährlichen Emissionen binden. „Aber wenn wir von den 89 Prozent nicht herunterkommen, ist alles andere bedeutungslos.“ Ammer ist auch Präsident der Gesellschaft für Ökologie Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Jeder sollte dazu beitragen, den Klimawandel aufzuhalten und die Wälder zu schützen, betonte Ammer. Weniger Autofahrten oder ein geringerer Fleischkonsum trügen dazu bei, den CO₂-Ausstoß einzugrenzen. „Flugreisen innerhalb Deutschlands oder zum Weihnachtsmarkt nach New York zu jetten, sind Sachen, die wir uns auf Dauer nicht leisten können.“

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Fast ein Drittel Deutschlands mit Wald bedeckt

„Der Wald ist ein Spiegel dessen, was den Menschen in anderen Lebensbereichen bevorsteht“, sagte der Forscher. Die Trockenheit mache sich dort schneller bemerkbar als auf landwirtschaftlichen Flächen, die zumindest teilweise bewässert werden könnten und nicht ganzjährig Wasser benötigten, etwa Getreide. Allein im vergangenen Jahr seien rund 350.000 bis 500.000 Hektar Wald verloren gegangen. Derzeit sind rund 29 Prozent der Fläche Deutschlands mit Wald bedeckt.

Die Diskussion um die Zukunft der Wälder sei oft schwierig und basiere häufig nicht auf Fakten, kritisierte Ammer. Derzeit würden nach jetzigem Wissensstand Bäume gepflanzt, die gut mit Trockenheit umgehen könnten, etwa Kirsche, Eiche oder Winterlinde. Das Anpflanzen von Mischwäldern sei eine gute Strategie. Es sei aber schwer absehbar, wie sich dadurch die Wechselwirkungen zwischen den Tier- und Pflanzenarten eines Waldes weiterentwickelten. Außerdem bedrohten neue, durch die Globalisierung eingeschleppte Schädlinge einige Baumarten.

Zudem gebe es Überlegungen, nicht heimische Bäume nach Deutschland einzuführen, etwa die Douglasie, einen Baum von der pazifischen Küste der USA und Kanadas. „Es wäre aber fatal, wenn wir fremde Baumarten vorschnell als Heilsbringer ausrufen würden.“ Mit der Douglasie gebe es viele gute Erfahrungen. Dennoch müsse sorgfältig abgewogen werden, in welchem Umfang die zu den Kieferngewächsen zählende Baumart und weitere fremde Arten mit einheimischen Gewächsen gemischt würden.

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RND/epd

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