Extreme Temperaturen

Wie nächtliche Hitze uns den Schlaf raubt

Es wird schon wieder hell: An Schlaf ist in Nächten mit tropischer Hitze oft nicht zu denken. Die Klimaveränderungen verstärken das noch.

Es wird schon wieder hell: An Schlaf ist in Nächten mit tropischer Hitze oft nicht zu denken. Die Klimaveränderungen verstärken das noch.

Hannover. Bei nächtlicher Hitze ist an Nachtruhe oft nicht zu denken. Eine Studie der Uni Kopenhagen bestätigt, was derzeit viele Menschen auch in ihren Schlafzimmern erleben: Die Klimakrise raubt uns den Schlaf. Weil Hitzenächte mit tropischen Temperaturen über 20 Grad zunehmen, drohen Erwachsenen laut den Forscherinnen und Forschern bis zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich 50 bis 58 Stunden weniger Schlaf pro Person und Jahr. Das sind bis zu zweieinhalb Tage.

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Der Effekt betrifft aber nicht jeden gleich: Frauen schlafen weniger als Männer, ältere Menschen sind fast doppelt so häufig betroffen. Menschen aus Ländern mit niedrigem Einkommen leiden besonders unter Hitzenächten und verlieren bei hoher Temperaturen sogar dreimal so viel Schlaf wie Menschen in reicheren Staaten. Für die Untersuchung wurden über sieben Millionen Messungen von Schlafarmbändern mit lokalen Wetterdaten verknüpft.

Extreme nächtliche Hitze: Schlafforscher rät zur Stressvermeidung

Was hilft, wenn das Thermometer im Schlafzimmer immer weiter steigt? Ein Schlafexperte gibt Tipps, wie wir uns gegen nächtliche Hitze wappnen.

„Wenn diese extremen Hitzenächte zunehmen, werden wir auch mehr schlechte Nächte haben“, bestätigt der Schlafmediziner Hans-Günter Weeß den Studienbefund im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutsch­land (RND). Demnach werden wir häufiger wach, haben weniger Tiefschlafphasen und erholsame Schlaf­stadien insgesamt. Laut Kopenhagener Studie erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, weniger als sieben Stunden zu schlafen, um 3,5 Prozent, wenn die Temperaturen in der Nacht 25 Grad nicht unterschritten.

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Grund ist, dass die Körperkerntemperatur beim Einschlafen eigentlich leicht absinkt – die Voraussetzung dafür, um gut schlafen zu können, erläutert der Experte. In zu warmer Umgebung ist das nicht möglich. Die Folge: Wer schlecht schläft, fühlt sich nicht gut und kann auch weniger Leistung erbringen.

Allerdings habe der Körper auch die Fähigkeit, sich anzupassen, so Weeß. Menschen in Äquatornähe würden schon lange unter diesen Bedingungen schlafen. Entscheidend sei, die nächtlichen Umgebungsbedingungen so zu gestalten, dass erholsamer Schlaf möglich werde.

Diese Tipps helfen gegen nächtliche Hitze

Dabei helfen könnten natürlich Klimaanlagen, Ventilatoren oder andere technische Lösungen, wie Kühlmatten ins Bett zu legen. Auch altbewährte Tipps, wie leichte Mahlzeiten vor dem Schlafengehen, Alkohol­verzicht und eine lauwarme Dusche gehören dazu.

Doch gegen die ungleich verteilten Schlafverluste in extremen Hitzenächten helfen diese Ratschläge nur bedingt. So können sich ärmere Menschen etwa den Kauf von Klimaanlagen oft nicht leisten. Die Kopenhagener Forschenden fordern daher auch politische Maßnahmen, um diese Ungerechtigkeiten auszugleichen – und finanziell schwache Bevölkerungsgruppen bei Anpassungsmaßnahmen zu unterstützen.

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Anpassung noch kein Thema in der Schlafmedizin

In der Schlafforschung ist die klimatische Bedrohung derweil noch nicht angekommen.

Weeß, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DSGM) ist, gibt auf Nachfrage zu: „Wir haben das noch nicht auf unserer Agenda.“ Er könne sich aber sehr gut vorstellen, dass hitzebedingte Schlafprobleme in Zukunft vor allem in den Städten ein Thema werden: „Wir sind da erst noch in den Anfängen.“

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