Mit Jute, Vlies und Kalkanstrich: So schützen Sie Ihre Obstbäume im Winter
Die Luft ist glasklar, der Himmel tiefblau, und die Wintersonne lässt gefrorene Tropfen in den Ästen funkeln wie winzige Lichterketten. Für die einen ein zauberhaftes Bild – für Hobbygärtner ein Grund zur Sorge. Zu harter Frost kann die anstehende Obsternte buchstäblich auf Eis legen. Ganz verhindern lasse sich die Frostgefahr nicht, sagt Heinrich Beltz, Gartenbauingenieur und Versuchsleiter in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Aber: Wer rechtzeitig vorsorge, könne seine Obstbäume gut durch die kalte Jahreszeit bringen.
Wachstum wird eingestellt
„Auch ohne Hilfe haben winterharte Gehölze ihr eigenes Schutzprogramm gegen den Frost“, erklärt der Experte. Während weiche Pflanzen wie etwa Tomaten schon beim ersten Frost schlapp machen, sind Obstbäume robuster. Ihre Strategie? Sie bereiten sich clever auf die kalten Temperaturen vor – und zwar rechtzeitig. Ab September stellen die Pflanzen langsam ihr Wachstum ein, die Triebspitzen verhärten, und die Pflanze zieht die Nährstoffe aus den Blättern in das Holz und in die Wurzeln.
Auch ohne Hilfe haben winterharte Gehölze ihr eigenes Schutzprogramm gegen den Frost.
Heinrich Beltz,
Gartenbauingenieur
Das können wir auch von außen beobachten: Sobald die Pflanze dem Laub Nährstoffe entzieht, färbt es sich und fällt zu Boden. Während Tomaten und Co. noch reichlich Wasser in den Zellen haben, das sich bei Frost ausdehnt und die Zelle so zum Platzen bringt, sind die ausgehärteten Gehölze gut geschützt. Bis es soweit ist, dauert es ein paar Wochen bis Monate, aber spätestens im November sind die Gehölze bereit für Eis und Schnee.
Zarte Triebe sind anfälliger
Doch nicht jeder Baum steckt Frost gleich gut weg. Junge Pflanzen mit zarten Trieben sind anfälliger als alte, kräftige Exemplare. „Erfriert ein Ast von einem Zentimeter Dicke an einem ausgewachsenen Baum, ist das meist kein Drama. Bei einem jungen Bäumchen kann das aber das Aus bedeuten“, sagt Beltz. Noch empfindlicher als junge Apfel- oder Birnenbäume reagieren Feigen oder Kiwis – sie brauchen bei Minusgraden zusätzlichen Schutz.
Wenn die Nächte frostig werden, heißt es deshalb: einpacken! Zwischen Mitte und Ende Dezember brauchen empfindliche Gehölze einen schützenden Mantel, zum Beispiel aus Vlies oder Reisig. Insbesondere in Regionen, in denen man üblicherweise mit starken Frösten im Winter rechnen kann, etwa in den Voralpen. Wichtig ist, nicht nur den Wurzelbereich, sondern auch den Stamm und die Krone einzuhüllen. Spätestens zwischen Mitte und Ende Dezember werden die Gehölze sorgfältig eingepackt und tragen ihren molligen Schutz bis Ende Februar. Obstbäume in Töpfen fühlen sich wohler, wenn der Topf in Jute oder Vlies gewickelt oder sogar in den Gartenboden eingegraben wird.
Zitronen gehören in den Wintergarten
Und dann gibt es laut Beltz noch ein paar ganz frostempfindliche Kandidaten unter den Obstgehölzen: „Zitruspflanzen mögen es auch in den kalten Monaten mild“, sagt der Experte. Zitronen, Clementinen und Co. gehören deshalb in den Wintergarten – dort fühlen sie sich bei fünf bis zehn Grad am wohlsten. Auch Oliven und Granatäpfel mögen keinen Frost, wenn sie auch nicht ganz so empfindlich sind wie die Zitrus-Stämmchen.
Auf den Punkt
Wann muss ich meinen Baum schützen?
Zwischen Mitte und Ende Dezember benötigen empfindliche Gehölze einen schützenden Mantel aus Vlies oder Reisig. Je jünger die Pflanze ist, je zarter ihre Äste, desto anfälliger ist sie gegen Kälte.
Welche Bäume sind besonders empfindlich?
Zitruspflanzen wie Zitronen, Clementinen und Co. gehören in den Wintergarten, aber auch Oliven und Granatäpfel mögen keinen Frost.
Gibt es besonders kritische Phasen?
Im Februar kann es tückisch werden, wenn die wachsende Sonnenkraft Spannungen in der Baumrinde und Frostrisse verursacht – diese hemmen den Nährstofftransport und sind ein Türöffner für Pilzkrankheiten. Die kritischste Phase ist im April/Mai: Wenn die Bäume ihre Blütenknopsen tragen, sollte es nicht mehr frieren, sonst drohen Ernteausfälle.
Auch wenn heimische Obstgehölze wie Apfel oder Kirschen, salopp gesagt, etwas härter im Nehmen sind und Frost in der Regel gut überstehen, kann es ab Februar tückisch werden. Zum Ende des Winters ist der Boden noch gefroren, doch die Sonne hat schon Kraft. Dann erwärmt sich die Rinde an der sonnenbeschienenen Seite, während die Schattenseite eiskalt und gefroren bleibt.
So entstehen Spannungen, die zu sogenannten Frostrissen führen. Diese längs verlaufenden Risse schwächen den Baum, denn sie hemmen den Nährstofftransport. Und nicht nur das: Sie sind im schlimmsten Fall auch ein Türöffner für Pilzkrankheiten, erklärt Beltz. Dadurch wächst der Baum schlechter – und das möchte man als Hobbygärtner vermeiden.
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Zur vollständigen AnsichtZum Glück gibt es ein einfaches Mittel: Ein weißer Kalkanstrich aus dem Fachhandel reflektiert das Sonnenlicht und verhindert, dass sich der Stamm zu stark aufheizt. So bleibt die Rinde heil und der Baum gesund.
Fruchtmumien erhöhen Pilzgefahr
Bei Obstbäumen sind die Frostrisse nicht die einzige Einladung für Pilzkrankheiten: Fruchtmumien – vertrocknete, verfaulte Früchte – an den Ästen oder auf dem Boden unter dem Baum sind das Winterquartier des Pilzes Monilia. Der Pilz überwintert in den Fruchtmumien und greift im Folgejahr die frischen Früchte an. Je mehr Fruchtmumien rund um den Baum zu finden sind, desto höher ist der Infektionsdruck, so der Gartenbauingenieur. Das bedeutet: Verfaulte Früchte müssen runter und sollten besser nicht auf dem Kompost oder an einem anderen Ort im Garten landen. Die Pilzsporen sterben dort nicht ab – Fruchtmumien gehören deshalb unbedingt in die Biotonne.
Wenn im April oder Mai die ersten Blütenknospen aufspringen, beginnt die kritischste Zeit. Eine einzige frostige Nacht kann die ganze Blütenpracht – und damit die Ernte – zunichtemachen. Im Erwerbsanbau ist eine Frostschutzberegnung ein effektives Mittel. Davon rät Beltz im eigenen Garten aber ab – eine solche Beregnung lässt sich zu Hause in der Regel nicht zuverlässig umsetzen. Feuertöpfe rund um die Bäume sind aus Umweltgründen nicht empfehlenswert.
Besser ist es, kleine Bäume bei Spätfrostgefahr mit einem Vlies zu umhüllen oder Kübelpflanzen kurzfristig in die Garage zu stellen. Gut geschützt überstehen Apfel, Birne und Co. so auch frostige Nächte – und starten gestärkt in die neue Gartensaison.