Historische Insel

Geheimtipp in den Niederlanden: Kennst du die Insel Kornwerderzand?

Kornwerderzand: Mehr Durchfahrtsort als Insel und doch ein Geheimtipp in den Niederlanden.

Wer in den Niederlanden über den Afsluitdijk fährt, rauscht oft einfach daran vorbei: Kornwerderzand, eine unscheinbare Insel am Rand der A7. Dabei steckt in diesem Fleckchen Erde ein Stück europäischer Geschichte. Ein Ort, der mehr bietet, als man auf den ersten Blick glaubt.

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Heute locken hier Museen, historische Bunker, ein modernes Besucherzentrum und weite Ausblicke zwischen Meer und Binnensee. Kornwerderzand ist damit ein Reiseziel, das Kulturfans und Naturmenschen gleichermaßen überrascht und garantiert abseits des Massentourismus liegt.

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Kornwerderzand: Eine Insel, die gar keine sein sollte

Kornwerderzand entstand in den 1920er-Jahren als Arbeitsinsel, von der aus der monumentale Deich Afsluitdijk gebaut wurde. Damals trennte er die salzige Nordsee-Bucht Zuiderzee vom zukünftigen IJsselmeer – ein Jahrhundertprojekt der niederländischen Wasserbaukunst. Doch schon wenige Jahre später bekam der Ort eine zweite Rolle: Das Verteidigungsministerium ließ hier eine Bunkerlinie errichten, um den Norden des Landes zu schützen.

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1939 bezogen 220 niederländische Soldaten die Kasematten (Festungsanlagen). Als deutsche Truppen am 10. Mai 1940 einmarschierten, kam es hier zu einem der seltenen Momente, in denen der Blitzkrieg ausgebremst wurde: Die wenigen niederländischen Soldaten hielten dem Angriff von 15.000 Deutschen stand. Zwar mussten sie nach dem Fall Rotterdams am 14. Mai kapitulieren und die Kasematten an die deutschen Truppen übergeben, doch der Widerstand gilt bis heute als historischer Meilenstein des Landes.

Von der Bunkeranlage zum Freilichtmuseum

Nach dem Krieg verfielen die Anlagen zunächst, bevor engagierte Helferinnen und Helfer sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzten. Das Kazematten-Museum erstreckt sich heute über rund 10.000 Quadratmeter und führt Besucherinnen und Besucher durch verwinkelte Räume, alte Geschützstände und einen deutschen Bunker. Die Insel selbst ist frei zugänglich und wirkt mit ihren grasbewachsenen Hügeln erstaunlich friedlich.

Alte Bunkeranlagen auf Kornwerderzand. Im Kazematten-Museum erfahren Reisende, was es mit ihnen auf sich hatte.
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Die Ausstellung erzählt nicht nur von den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs, sondern auch von der gewaltigen ingenieurtechnischen Leistung, die zum Bau des Afsluitdijk führte. Besucherinnen und Besucher erfahren hier hautnah, wie die Festungsanlage funktionierte, welche Aufgaben die Soldaten hatten und wie sich die Region seit den 1930er-Jahren verändert hat. Die Öffnungszeiten des Kazematten-Museums variieren je nach Saison. Reisende sollten sich vorab auf der Website informieren. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Zwischen zwei Gewässern: Das moderne Wadden Center

Nur wenige Schritte vom Museum entfernt erhebt sich ein futuristischer Bau auf dem Deich der Insel: das „Afsluitdijk Wadden Center“. Drinnen erfährst du alles über das Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, über die einzigartige Tierwelt der Region und über die besonderen Herausforderungen, die der Umgang mit zwei völlig unterschiedlichen Gewässern, der Nordsee und dem IJsselmeer, mit sich bringt.

Das moderne Wadden Center auf Kornwerderzand.

Das Zentrum ist Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Besucherinnen und Besucher ab zwölf Jahren kostet 5 Euro. Ein hauseigenes Restaurant mit überdachter Terrasse und Blick auf das IJsselmeer ist perfekt für eine Pause geeignet.

Kornwerderzand: Hochwasserschutz, Natur und Surfspot

Kornwerderzand ist aber nicht nur Museum und Aussichtspunkt, sondern bis heute ein entscheidender Bestandteil des niederländischen Hochwasserschutzes. Die gewaltigen Lorentzschleusen entwässern seit 1933 das IJsselmeer und arbeiten zusammen mit den Stevin-Schleusen auf der anderen Seite des Damms. Wer hier entlangspaziert, spürt die Kraft der Elemente – und die technische Präzision, mit der das Land sich seit Jahrhunderten gegen das Meer behauptet.

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Der Ort zieht zudem Wassersportlerinnen und ‑sportler an, denn vor Kornwerderzand liegt ein beliebter Windsurf- und Kitesurfspot, der im Sommer befahrbar ist. Und obwohl der Verkehr auf der A7 nie weit entfernt ist, verschwinden die Motorengeräusche schnell, wenn du am Wasser stehst und den Blick auf die Wellen, Deiche und etlichen Vogelarten richtest. Genau dieser Kontrast zwischen Inselfeeling und Durchgangsort macht Kornwerderzand zu einem besonderen Ausflugsziel für alle, die zwischen Friesland und Nordholland unterwegs sind und einen kleinen Geheimtipp entdecken wollen.

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